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Umsatzsteuer ID-Nummer beantragen

Die Umsatzsteuer ID-Nummer wird auch für Musiker immer wichtiger. Um deine steuerlichen Belange im Zusammenhang mit dem EU-Ausland richtig abzuwickeln, brauchst du sie.

Wozu?

  1. Wenn du eine Leistung an einen ausländischen Leistungsempfänger in der EU erbringst, benötigst du eine Umsatzsteuer ID-Nummer, damit der ausländische Leistungsempfänger für dich das reverse charge Verfahren anwenden kann.
  2. Wenn du Leistungen im Ausland einkaufst, beispielsweise von Google oder Facebook, dann erhältst du nur dann eine sachlich korrekte Rechnung ohne Umsatzsteuer, wenn du ihnen deine Umsatzsteuer ID-Nummer gegeben hast.

Wo kannst du die Umsatzsteuer ID-Nummer beantragen?

Die Umsatzsteuer ID-Nummer kannst du relativ unproblematisch auf der Homepage des BZSt beantragen.

Antrag USt Id Nummer
Die einzutragenden Daten sind überschaubar und ich denke, der Antrag ist völlig unproblematisch zu stellen. Nach Eingabe aller Daten kannst du den Antrag drucken und anschließend direkt über das Internetportal des BZSt versenden.

Wenn du von einem ausländischen Lieferanten eine Umsatzsteuer ID-Nummer erhalten hast, dann kannst du die auf Richtigkeit prüfen, sofern du Zweifel an der Korrektheit bestehen. Die Prüfung erfolgt unter folgender Homepage des Bundeszentralamtes für Steuern:

https://evatr.bff-online.de/eVatR/index_html

Das reverse charge Verfahren

Das reverse charge Verfahren ist eine echte Hilfe, wenn es um die Behandlung internationaler Umsatzsteuersachverhalte geht. Doch wann kommt es genau zur Anwendung?

Für dich als Leistungserbringer

Bereits im Beitrag allgemeines zur Umsatzsteuer habe ich ausgeführt, dass du als Musiker in der Regel sonstige Leistungen erbringst. Diese werden in dem Land besteuert, wo sich der Ort der sonstigen Leistungen befindet.

Ort der sonstigen Leistungen

Sofern du Leistungen an Privatpersonen erbringst, befindet sich der Ort der sonstigen Leistung an deinem Unternehmenssitz, also nach unserer Grundannahme in Deutschland.

Wenn du Leistungen an ein anderes Unternehmen erbringst, befindet sich der Ort der sonstigen Leistung am Sitz des empfangenden Unternehmens. Liegt dieser im Ausland, dann ist der Ort der sonstigen Leistung im Ausland. Damit du keine großen steuerlichen Pflichten im Ausland erledigen musst, kommt hier das reverse charge Verfahren zur Anwendung. Vereinfacht heißt das: der ausländische Unternehmer kümmert sich um deine Umsatzsteuer im Ausland.

Musiker erbringen abweichend von dieser Grundregel ihre sonstigen Leistungen im Bereich der Auftrittstätigkeit dort, wo sie auftreten. Sofern du die Leistung an einen ausländischen Unternehmer im Staat deines Auftrittsortes erbringst, ist das kein Problem. Auch dann kann der ausländische Unternehmer das reverse charge Verfahren anwenden.

Was aber musst du tun, wenn dein Leistungsempfänger in Deutschland sitzt und du in Frankreich auftrittst? Oder was musst du tun, wenn dein Konzertveranstalter in Belgien sitzt und du in Frankreich auftrittst?

Was versteht man unter dem reverse charge Verfahren

Bei Anwendung dieses Verfahrens führt der Leistungsempfänger (beispielsweise der ausländische Streamingdienst) die Umsatzsteuer für dich ab. Du weist in deiner Rechnung keine Umsatzsteuer aus. Auf deine Rechnung schreibst du: Es kommt das reverse charge Verfahren zur Anwendung. Sofern der Streamingdienst per Gutschrift abrechnet, brauchst du nicht mal eine Rechnung zu schreiben.

Im deutschen Steuerrecht ist das reverse charge Verfahren in § 13b UStG geregelt. Aus diesem Grunde wird auch oft von 13b Umsätzen gesprochen. Gemeint ist, dass auf diese Umsätze das reverse charge Verfahren zur Anwendung kommt.

Das reverse charge Verfahren wird durchgängig von allen Staaten der EU angewandt und von einigen anderen wichtigen Industriepartnern. Aber es wenden nicht alle Staaten weltweit dieses Verfahren an. Beispielsweise kennt die USA dieses Verfahren nicht. Ob ein Land das reverse charge Verfahren anwendet, musst du im jeweiligen Einzelfall ermitteln. Helfen können hier die Handelskammern oder die Außenhandelskammern in Deutschland oder dem jeweiligen Land.

Voraussetzungen für die Anwendung des reverse charge Verfahrens

Damit der ausländische Unternehmer das reverse charge Verfahren anwendet, musst du dich als Unternehmer ausweisen können. Innerhalb der Europäischen Union kannst du das durch die Vorlage einer Umsatzsteuer ID-Nummer. Diese erhältst du über die Homepage des BZSt. Näheres zur Beantragung der Umsatzsteuer ID-Nummer findest du unter meinem entsprechenden Blog-Beitrag. Oft hilft diese Nummer auch bei Leistungsempfängern im Drittland.

Das reverse charge Verfahren kommt nur bei Leistungen zwischen Unternehmern zur Anwendung. Bei Leistungen zwischen dir und einer Privatperson kommt es nicht zur Anwendung.

Deine Meldepflichten, wenn du Leistungen an ausländische Unternehmer erbringst

Auch wenn du sonstige Leistungen an einen ausländischen Empfänger erbringst und dieser im Ausland das reverse charge Verfahren anwendet, musst du trotzdem in Deutschland Meldepflichten erfüllen. Zum einen musst du die im Ausland erbrachten Leistungen gem. 13b UStG in der Umsatzsteuererklärung angeben und du musst auch eine Zusammenfassende Meldung abgeben.

Exkurs: Registrierungspflicht im Ausland, wenn das reverse charge Verfahren nicht zur Anwendung kommt

Wenn der andere Staat kein reverse charge Verfahren kennt, oder ein reverse charge Verfahren nicht zur Anwendung kommt, weil der Leistungsempfänger nicht im Auftrittsstaat ansässig ist, musst du dich am Ort deiner Leistung umsatzsteuerlich registrieren lassen. Du musst die Umsatzsteuer im entsprechenden Ausland nach den dort geltenden Regelungen abführen! Hier gibt es mit Sicherheit unzählige Leichen in unzähligen Kellern, will sagen, das wurde mit Sicherheit sehr häufig vergessen. Aber nach meiner Einschätzung ist das ganz klar deine Aufgabe als auftretender Künstler. Du bist der Steuerschuldner.

Für dich als Leistungsempfänger

Selbst wenn du keine Leistungen an ausländische Abnehmer erbringst, kann das reverse charge Verfahren für dich zur Anwendung kommen. Dann nämlich, wenn du Leistungen von ausländischen Unternehmen beziehst. Und das ist derzeit sehr häufig der Fall. Denke nur an Facebookwerbung, Googleleistungen, Zoomlizenzen und so weiter.

Gilt das auch für mich als Kleinunternehmer?

Das ist auch dann der Fall, wenn du nur umsatzsteuerfreie Erlöse erzielst oder Kleinunternehmer bist. Dann ist es sogar von besonderer Bedeutung, weil du die Umsatzsteuer aus dem reverse charge Verfahren abführen musst, aber keinen Vorsteuerabzug hast. Die abzuführende Umsatzsteuer wird für dich zur kostenmäßigen Belastung!!!!

Auch als Kleinunternehmer bist du umsatzsteuerlicher Unternehmer. Wenn du sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmens beziehst, unterliegen diese Leistungen in Deutschland dem reverse charge Verfahren. Der ausländische Leistende ist Unternehmer, du bist (Klein-) Unternehmer. Damit kommt dieses Verfahren zur Anwendung.

Und du musst tätig werden!

Damit alles richtig läuft, ist es auch hier wichtig, dass du eine Umsatzsteuer ID-Nummer hast.

Du übermittelst bei der Bestellung deine Umsatzsteuer ID-Nummer an den Lieferanten (beispielsweise Google). Danach bekommst du eine Rechnung von Google ohne Umsatzsteuer mit dem Vermerk, dass das reverse charge Verfahren zur Anwendung kommt. Damit meint der Lieferant, dass du das anwenden musst!

In der Umsatzsteuervoranmeldung oder spätestens der Umsatzsteuerjahresmeldung musst du die entsprechenden 13b Leistungen melden. Voranmeldungen müssen unter den allgemein gültigen Regelungen abgegeben werden, wenn die Umsatzsteuerschuld eine bestimmte Höhe erreicht. Wenn deine Umsatzsteuerzahllast aus dem reverse charge Verfahren diese Grenze überschreitet, musst du Voranmeldungen abgeben. Ansonsten kannst du dich auf die Jahreserklärung beschränken.

Soll-Versteuerung – Ist-Versteuerung

Noch zwei Schlagwörter aus dem Umsatzsteuerrecht, die du gehört haben solltest.

Ist-Versteuerung

Als Freiberufler, der seinen Gewinn auf Basis der Einnahmenüberschussrechnung ermittelt, unterliegst du hinsichtlich der Umsatzsteuer grundsätzlich der Ist-Versteuerung. Die Umsatzsteuer ist erst in dem Moment zu bezahlen, in dem die Einnahme auf deinem Konto eingegangen ist. Das Schöne daran ist, dass du die Vorsteuer aus den Eingangsrechnungen trotzdem schon dann ziehen darfst, wenn du die Leistung erhalten hast und dir eine Rechnung vorliegt.

Soll-Versteuerung

Im Gegensatz dazu musst du als bilanzierungspflichtiger Gewerbetreibender oder wenn du dein Unternehmen in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft führst die sog. Sollversteuerung bei der Umsatzsteuer anwenden. Bei der Sollversteuerung musst du die Umsatzsteuer aus deinen Einnahmen bereits dann an das Finanzamt abführen, wenn du die Leistung erbracht und die Rechnung gestellt hast. Der Geldeingang ist erst einmal unerheblich.  

Großer Liquiditätsvorteil der Ist-Versteuerung

Der Hauptvorteil der Ist-Versteuerung ist damit der Liquiditätsvorteil. Du musst die Umsatzsteuer aus deinen Einnahmen erst dann abführen, wenn das Geld auch auf deinem Konto eingegangen ist. Das ist bei der Sollversteuerung anders. Lässt sich der Kunde mit der Bezahlung der Rechnung Zeit, dann musst du unter Umständen die Umsatzsteuer schon abführen, obwohl du noch gar kein Geld in der Tasche hast.

Die Ist-Versteuerung ist für Freiberufler einfach einfacher!

Insbesondere als Freiberufler – was Musiker ja sind – vereinfacht die Ist-Versteuerung auch deine Aufzeichnungspflichten erheblich. Als Freiberufler ermittelst du für einkommensteuerliche Zwecke den Gewinn nach dem Zuflussprinzip. In die Einnahmenüberschussrechnung werden nur die Beträge aufgenommen, die bezahlt wurden. Dieses Prinzip stimmt mit der Ist-Versteuerung überein.

Rechnungsinhalte

Um Aufwendungen als Betriebsausgaben geltend zu machen, verlangt das Finanzamt regelmäßig eine Rechnung. Insbesondere für die Geltendmachung des sog. Vorsteuerabzuges muss diese Rechnung folgende Inhalte aufweisen:

  • Name und Anschrift des leistenden Unternehmers,
  • Name und Anschrift des Leistungesempfängers,
  • das Ausstellungsdatum(=Rechnungsdatum)
  • eine einmalig vergebene Rechnungsnummer
  • die Steuernummer oder die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Ausstellers
  • Termin der Lieferung oder Leistung
  • Menge und Bezeichnung der gelieferten Produkte bzw. Art und Umfang der Dienstleistung
  • die ggf. nach Steuersätzen aufgeschlüsselten Netto-Beträge
  • und die jeweils darauf entfallenden Steuer-Beträge oder ein Hinweis auf eine Umsatzsteuerbefreiung bzw. die Anwendung der Kleinunternehmerregelung,  

Beispiel für eine korrekte Eingangsrechnung, die du erhalten hast:

In künstlerischen Kreisen ist es manchmal ein Problem eine solch perfekte Rechnung zu erhalten, vor allem von den lieben Künstlerkollegen. Sofern du die Ausgabe nur als Betriebsausgabe bei der Einkommensteuer abziehen möchtest, aber keine Vorsteuer aus einer Rechnung ziehst, ist es ok, wenn nicht alle Angaben auf der Rechnung enthalten sind. Sofern du aber die Vorsteuer aus der Rechnung ziehen möchtest, müssen alle diese Angaben auf der Rechnung enthalten sein.

Auf der anderen Seite muss auch deine Rechnung alle diese Angaben enthalten. Das ist ebenfalls häufig ein Problem, da ein Künstler oft nur einen Vertrag abschließt und nach Erbringung der Leistung nicht noch einmal eine Rechnung erstellt. In diesem Fall müssen sich alle diese Angaben aus den Verträgen ergeben und du nimmst die Verträge zu deinen Steuerunterlagen.

Beispiel für eine Rechnung, wenn du Kleinunternehmer bist:

Wenn du Kleinunternehmer bist, weist du keine Umsatzsteuer aus, sondern schreibst unter die Rechnung, dass du Kleinunternehmer bist. Die Rechnung würde dann wie folgt aussehen:

Wie sieht eine Rechnung über eine steuerfreie Leistung aus?

Wenn du gem. § 4 Nr. 20 UStG oder § 4 Nr. 21 UStG steuerbefreit bist, schreibst du eine Rechnung wie die obige Nummer 2. Den Satz: Ich bin Kleinunternehmer gem. § 19 UStG ersetzt du durch folgende Formulierung:

Meine Leistungen sind gem. § 4 Nr. 20 a UStG befreit.

Oder wenn deine Leistungen gem. § 4 Nr. 21 UStG befreit sind, weil du unterrichtest, dann schreibst du:

Meine Leistungen sind gem. § 4 Nr. 21 a UStG befreit.

Kleinbetragsrechnungen

Handelt es sich bei der Rechnung um eine Kleinbetragsrechnung, d.h. der Gesamtbetrag einschließlich Umsatzsteuer übersteigt nicht 250 €, können verschiedene Angaben entfallen. Dann wird eine Rechnung schon für den Vorsteuerabzug akzeptiert, wenn sie die folgenden Angaben enthält:

  1. Name und Anschrift des leistenden Unternehmers
  2. Menge und handelsübliche Bezeichnung des Gegenstandes der Lieferung oder Art und Umfang der sonstigen Leistung
  3. Entgelt und der Steuerbetrag für die Lieferung oder sonstige Leistung in einer Summe,
  4. zur Anwendung kommender Umsatzsteuersatz oder ein Hinweis auf eine Umsatzsteuerbefreiung bzw. die Anwendung der Kleinunternehmerregelung,
  5. das Ausstellungsdatum

Alle anderen Angaben werden dann nicht benötigt. Rechnungen über solche Kleinbeträge kennst du als Quittungen oder Kassenbons. Sie können nur bis zu einem Bruttobetrag in Höhe von 250 € zur Anwendung kommen. Bei übersteigenden Beträgen muss eine Rechnung verlangt werden.

Wenn dein Gesamthonorar also unter 250 € liegt, dann kannst du einfach eine Quittung ausstellen. Das gleiche gilt, wenn du Honorare an begleitende Künstler auszahlst. Dann lässt du dir einfach die Zahlung quittieren. Bitte achte aber darauf, dass obige Angaben auf der Quittung enthalten sind.

Steuerbefreiung gem. § 4 Nr. 20 a UStG – into the deep

Steuergestaltung über die Umsatzsteuerbefreiung gem.
§ 4 Nr. 20a UStG

Die Steuerbefreiung nicht zu beantragen und umsatzsteuerpflichtige Umsätze zu erzielen, ist insbesondere in zwei Fällen besonders interessant:

  1. Du wirst nur gegenüber Auftraggebern tätig, die selbst voll zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Solchen Auftraggebern ist es egal, ob du deine Rechnung mit oder ohne Umsatzsteuer stellst. Für sie bist du immer gleich teuer, da sie die Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückholen könnten. Allerdings ist es bei Musikern eher selten der Fall, dass ihre Auftraggeber vorsteuerabzugsberechtigt sind. Sie werden oft gegenüber öffentlichen Einrichtungen oder Veranstaltern tätig, die selbst nicht umsatzsteuerpflichtig sind oder  gegenüber Privatpersonen, die die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer ebenfalls nicht vom Finanzamt zurückholen können.
  • Du tätigst in einem Jahr oder generell viele Einkäufe/Anschaffungen (z.B. Einrichtung eines Tonstudios), sodass du hohe Vorsteuerbeträge bezahlt hast, die du vom Finanzamt zurückbekommen willst. Die Vorsteuerbeträge bekommst du nur vom Finanzamt zurück, wenn du selbst umsatzsteuerpflichtige Umsätze tätigst.

In diesen beiden Fällen, kann es sein, dass es dir lieber wäre, auf die Umsatzsteuerbefreiung zu verzichten und steuerpflichtige Umsätze zu tätigen. Geht das?

Obwohl es scheint, als hättest du ein Wahlrecht die Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG zu beantragen, und damit steuerfreie Umsätze zu erzielen, besteht dieses Wahlrecht nicht wirklich. Warum?

Auch die Finanzbehörden sind berechtigt, die Bescheinigung für den Steuerpflichtigen zu beantragen.

Vor allem sind auch die Finanzbehörden berechtigt, die Bescheinigung für dich zu beantragen und damit die Steuerfreiheit deiner Umsätze zu erwirken. Das Finanzamt hat u.a. vor einigen Jahren in einem sehr spektakulären Fall eine Landesbescheinigung für einen Steuerpflichtigen beantragt. Als der Schraubenfabrikant Würth beim Bau seines Museums in Schwäbisch Hall sehr viele Bauleistungen eingekauft hat, die mit 19% Umsatzsteuer belastet waren, wollte er diese bezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt zurückholen. Entsprechend hat er für die Umsätze des Museums keine Landesbescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG eingeholt und die Eintrittstickets mit 7% Umsatzsteuer ausgestellt. Hier hat das Finanzamt nicht mitgespielt und hat selbst die Landesbescheinigung eingeholt. Damit waren die Ticketverkäufe steuerfrei und das Museum konnte die Vorsteuer aus den Bauleistungen nicht vom Finanzamt zurückholen.

Die vom Finanzamt beantragte Bescheinigung wirkt in der Regel für deine gesamten Umsätze aus Tätigkeiten im Sinne des § 4 Nr. 20a UStG.

Zum anderen ist auch der Veranstalter berechtigt, die Bescheinigung bei der zuständigen Landesbehörde einzuholen

Der Veranstalter eines Konzertes ist ebenfalls berechtigt, für dich als Musiker eine Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG einzuholen, da seine Umsatzsteuerbefreiung gem. § 4 Nr. 20b UStG davon abhängt, ob er nur Künstler beschäftigt, die gem. § 4 Nr. 20a UStG von der Umsatzsteuer befreit sind. Diese Bescheinigung wirkt dann nur für das eine Konzert oder die Konzertreihe dieses Veranstalters.

Schließlich ist auch der Bandleader im Rahmen eines Big Boss Modells berechtigt, die Bescheinigung bei der zuständigen Landesbehörde einzuholen.

Beim Big Boss Modell, tritt einer der Musiker als Vertragspartner des Konzertveranstalters auf. Die mitspielenden Musiker sind selbständig tätig und stellen ihrerseits Rechnungen an den „Big Boss“.

Stellung genommen hat der oberste Finanzgerichtshof  (BFH) zu diesem Thema in einem Urteil aus dem Jahre 2010 (BFH-Urteil vom 18.02.2010, V-R 28/08, BStBl 2010 II S. 876). Ein Steuerpflichtiger, Schlagzeuger sowie alleiniger Inhaber, Betreiber und Leiter eines Orchesters, das nach dem sog. Big Boss Modell organisiert war, holt von der zuständigen Bezirksregierung X eine Bescheinigung ein, dass sein Orchester die gleichen kulturellen Aufgaben erfüllt, wie die unter § 4 Nr. 20 a UStG genannten staatlichen und kommunalen Einrichtungen. Im Urteilsfall waren einige der Musiker im Ausland ansässig. Für diese Musiker hätte der Schlagzeuger grundsätzlich gem. § 13b UStG Umsatzsteuer im reverse charge Verfahren einbehalten müssen. Um dies zu vermeiden, hat er die Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG für das ganze Ensemble beantragt und erhalten. Entsprechend hat er keine Umsatzsteuer gem. § 13 b UStG an das Finanzamt abgeführt. 

In obigem Urteil hat der BFH dieser Vorgehensweise zugestimmt. Ein Big Boss als Leiter eines Orchesters kann für alle Mitspieler die Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG beantragen. Die Steuerbefreiung wirkt nicht für das Orchester als solches, sondern für die einzelnen Orchestermusiker. Die Leistung des Orchesters ist jedoch als Folge davon ebenfalls steuerfrei, jedoch gem. § 4 Nr. 20b UStG.

Fazit

Zusammengefasst kann man damit sagen: Grundsätzlich hast du zwar ein Wahlrecht, die Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG zu beantragen oder eben nicht. Rechtssicherheit hast du jedoch nicht, wenn du dich entschließt keine Bescheinigung zur Erreichung der Umsatzsteuerfreiheit einzuholen. Insbesondere das Finanzamt kann die Bescheinigung seinerseits beantragen, wenn ihm das besser passt. Diese Bescheinigung stellt dann ebenfalls deine gesamten Umsätze gem. § 4 Nr. 20 UStG frei.

Grundsätzlich sind die Finanzämter gehalten, die Bescheinigung zu beantragen, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen. Die Regelung des § 4 Nr. 20 a UStG beabsichtigt eine Gleichbehandlung der Umsätze der Einrichtungen der Gebietskörperschaften mit den gleichartigen Einrichtungen anderer Unternehmer. Dies würde nicht erreicht, wenn § 4 Nr. 20 a UStG 2. Satz anderen Unternehmern die Möglichkeit eröffnen würde, durch die Nichtvorlage der Bescheinigung Steuervorteile im Wege des Vorsteuerabzuges zu erlangen. Dies hat auch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in einem Urteil aus dem Jahre 2006 so gesehen (BVerwG, Urteil vom 4.5.2006, 10 C 10.05)

Zum anderen kann aber auch ein Veranstalter oder ein Bandleader die Steuerbefreiung für dich beantragen. Dann sind deine Umsätze partiell steuerfrei.

Rechtssicherheit

Also: Rechtssicherheit gibt es nur, wenn du die Bescheinigung beantragst und deine Umsätze steuerfrei behandelst. Nur dann weißt du, welche steuerlichen Folgen wirklich auf dich zukommen, nämlich: keine Umsatzsteuer auf deine Umsätze und andererseits kein Vorsteuerabzug. 

Steuerbefreiung gem. § 4 Nr. 20 a UStG – the basics

Die Befreiungsvorschrift des § 4 Nr. 20a UStG stellt einen großen Teil der Umsätze von Musikern von der Umsatzsteuer frei. Leider hat der Musiker dann im Gegenzug auch keinen Vorsteuerabzug, da steuerfreie Umsätze gem. § 4 Nr. 20 UStG einen Ausschluss vom Vorsteuerabzug nach sich ziehen.

Nach Satz 1 dieser Vorschrift sind die Umsätze von Theatern, Orchestern, Kammermusikensembles, Chören, … etc. des Bundes der Länder und der Gemeinden von der Umsatzsteuer befreit.

Nach dem zweiten Satz des § 4 Nr. 20a UStG sind auch die Umsätze gleichartiger Einrichtungen anderer Unternehmer steuerfrei, wenn die zuständige Landesbehörde bescheinigt, dass sie die gleichen kulturellen Aufgaben wie die Einrichtungen in Satz 1 dieser Vorschrift erfüllen.

Kann ich auch als Einzelmusiker die Befreiung beantragen?

Bereits seit dem Jahr 2003 ist es unbestritten, dass auch Einzelmusiker die Steuerbefreiung gem. § 4 Nr. 20 a UStG beantragen können.  Davor war die Regelung auf Gruppen von zwei und mehr Personen ausgelegt. 

Welche Umsätze sind befreit?

Die Vorschrift des § 4 Nr. 20 a UStG befreit Umsätze, die aus Aufgaben stammen, die von Theatern, Orchestern oder Kammermusikensembles, Chören, etc. üblicherweise durchgeführt werden. Befreit sind damit vor allem Honorare, die im Zusammenhang mit Konzerten, Aufführungen und Aufnahmen stehen. Unter Konzerten sind Aufführungen von Musikstücken zu verstehen, bei denen Instrumente und/oder die menschliche Stimme eingesetzt werden.  Befreit sind auch die damit im Zusammenhang stehenden Nebenleistungen, wie die Garderobengebühren und der Verkauf von Programmen. Die Gastronomie im Zusammenhang mit den Konzerten ist grundsätzlich nicht befreit.

Ist die Musikrichtung entscheidend für die Beantragung der Steuerbefreiung?

Nein, auf die Art der Musik kommt es nicht an. Auch Unterhaltungsmusik unterliegt dieser Vorschrift.

Welche Wirkung hat die Bescheinigung?

Sobald du die Bescheinigung hast:

  • kannst du sie dem Veranstalter vorlegen. Damit weiß er, dass du von der Umsatzsteuer befreit ist. Für Veranstalter ist dies für ihre eigene Umsatzsteuerfreiheit entscheidend. Deshalb sind sie oft so interessiert an der Bescheinigung.
  • kannst du sie dem Finanzamt vorlegen, um die Steuerbefreiung gem. § 4 Nr. 20a UStG zu erhalten.
  • kannst du deine Rechnungen ohne Umsatzsteuer ausstellen und stattdessen auf der Rechnung vermerken, dass du gem. § 4 Nr. 20 a UStG von der Umsatzsteuer befreit bist. 
  • bist du vom Vorsteuerabzug ausgeschlossen. Das heißt, du kannst die Umsatzsteuer, die andere dir in Rechnung stellen, nicht vom Finanzamt zurückfordern. Und hier wird es interessant, denn das kann nachteilig sein, wenn du größere Anschaffungen tätigst und in den Eingangsrechnungen hohe Umsatzsteuerbeträge ausgewiesen sind, die du gerne vom Finanzamt zurückbekommen möchtest. 

Habe ich ein Wahlrecht die Umsatzsteuerbefreiung in Anspruch zu nehmen?

Das ist etwas tückisch. Theoretisch hast du ein Wahlrecht, die Umsatzsteuerbefreiung in Anspruch zu nehmen. Praktisch ist das Wahlrecht aber stark eingeschränkt, da auch

  • das Finanzamt und
  • der Veranstalter 

die Steuerbefreiung für dich beantragen können. Wenn du nun davon ausgehst, dass du steuerpflichtige Umsätze tätigst und einen hohen Vorsteuerabzug hast, dann kann es dich kalt erwischen, wenn das Finanzamt innerhalb der nächsten 4 Jahre die Befreiung für dich rückwirkend beantragt und der Vorsteuerabzug damit nicht mehr gegeben ist. Zu dieser Problematik habe ich einige Ausführungen in einem weiteren Artikel gemacht: Umsatzsteuerbefreiung gem. § 4 Nr. 20 UStG – into the deep.

Wo muss/kann ich die Befreiung beantragen?

§ 4 Nr. 20 UStG spricht immer so schön davon, dass du die Bescheinigung von der dafür vorgesehenen Landesbehörde einholen kannst. Ja welche Landesbehörde ist denn zuständig? Anlaufstellen und Kontaktdaten findest du hier:

Hier können sich laufend Änderungen ergeben. Jedoch konnte ich aktuell feststellen, dass die zuständige Landesbehörde jedes Bundeslandes über eine Google-Suche relativ leicht gefunden werden kann.

Ermäßigter Steuersatz gem. § 12 UStG

Ein Kräftemessen mit den Finanzbehörden 

Gem. § 12 Abs. 2. Nr. 7a UStG ermäßigt sich die Steuer auf 7 % für die folgenden Umsätze:

die Eintrittsberechtigung für Theater, Konzerte und Museen sowie die den Theatervorführungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen ausübender Künstler.

Das legt auf den ersten Blick den Schluss nahe, dass der ermäßigte Steuersatz auch für ausübende Künstler nur dann zum Ansatz kommt, wenn eine Eintrittsberechtigung verschafft wird. Das ist aber nicht so. 

Erweiterte Wirkung durch europäisches Recht

§ 12 Abs. 2. Nr. 7a UStG wurde an europäisches Recht angepasst. Nach einem Anhang zur Mehrwertsteuersystemrichtlinie (MwStSystRL) ist zum einen für die:

  • Eintrittsberechtigung für Theater, Konzerte und Museen der ermäßigte Steuersatz anzuwenden.

Getrennt davon wird aber in Anhang iii Nr. 9 MwStSystRL bestimmt, dass

  • Dienstleistungen von Schriftstellern, Komponisten und ausübenden Künstlern ermäßigt zu besteuern sind.

Der deutsche Gesetzgeber hat das bei seiner redaktionellen Fassung des § 12 UStG etwas ungeschickt zusammengefasst, weshalb sich aus dieser Vorschrift nicht direkt ergibt, dass alle Honorare von ausübenden Künstlern ermäßigt zu besteuern sind. Tatsächlich ist es aber so.

Kollision der Steuerermäßigungsvorschrift mit der Steuerbefreiungsvorschrift gem. § 4 Nr. 20a UStG

Die Begriffe Theater, Konzert und Museen sind nach den Merkmalen abzugrenzen, die auch für die Befreiung gem. § 4 Nr. 20a UStG maßgebend sind. Das heißt, es fallen die gleichen Sachverhalte sowohl unter die Befreiungsvorschrift als auch unter die ermäßigte Besteuerung. Vorrangig anzuwenden ist dann die Befreiung.

In den Geltungsbereich der Steuerermäßigung des § 12 Abs. 2 Nr. 7a UStG kannst du also nur kommen, wenn du

  • Keine öffentliche Einrichtung des Bundes, der Länder oder der Gemeinden bist – davon gehen wir jetzt mal aus.
  • Du als ausübender Künstler keine Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG beantragt hast. 

Wann ist die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes sinnvoller, als die Steuerbefreiung?

Die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes ist dann sinnvoll, wenn du viele Anschaffungen tätigst, die mit 19% Vorsteuer belastet sind. Dann kann die Vorsteuer in Höhe des vollen Umsatzsteuersatzes deine Umsatzsteuer auf deine mit 7% besteuerten Umsätze übersteigen. Es entsteht ein sog. Vorsteuerüberhang. Das ist toll. Du kriegst mehr Umsatzsteuer zurück, als du abführen musst.

Wenn du steuerfreie Umsätze tätigst, kannst du keine Vorsteuer vom Finanzamt zurückverlangen. In den Fällen, in denen du regelmäßig viele Anschaffungen tätigst, ist das natürlich blöde, denn du bleibst auf der gezahlten Vorsteuer sitzen und kriegst sie nicht vom Finanzamt zurück.

Leider keine Rechtsicherheit

Leider besteht für die Steuergestaltung

  • Anwendung des ermäßigten Steuersatzes, bei dem Vorhandensein eines Vorsteuerüberhanges

grundsätzlich keine Rechtssicherheit, denn du bestimmst nicht alleine, ob du den ermäßigten Steuersatz anwendest oder die Umsatzsteuerbefreiung. Das Finanzamt kann auch die Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG für dich beantragen, dann bist du steuerbefreit und es ist vorbei mit dem Vorsteuerüberhang. Das Finanzamt erstattet nichts. (Vgl. Artikel: Steuerbefreiung gem. § 4 Nr. 20 a UStG: into the deep)

Da die Finanzbehörden natürlich nicht sehr gerne Vorsteuern erstatten, wenn das nicht unbedingt sein muss, wird es genau in diesen Fällen die Bescheinigung beantragen.

Dennoch kenne ich aus der Praxis, daß das Finanzamt – warum auch immer – auf die Beantragung der Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG verzichtet und die Vorsteuern auszahlt. Das gibt es durchaus. Was ist dir also zu raten?

Wenn du die Möglichkeit hast, deine Honorare aus Konzerten und Aufführungen dem ermäßigten Steuersatz zu unterwerfen und damit mehr Vorsteuern vom Finanzamt zurückholen kannst, als du Umsatzsteuer zahlen musst, dann mach das. Das heißt: Beantrage keine Landesbescheinigung und behandle deine Umsätze als steuerpflichtig gem. § 12 Abs. 2 Nr. 7a UStG. Leg die erstattete Vorsteuer aber bitte auf ein Rücklagenkonto, bis das Finanzamt die Bescheinigung von den Landesbehörden nicht mehr einholen darf. Erst dann kannst du das Geld ausgeben.

Wie lange rückwirkende kann das Finanzamt die Bescheinigung gem. § 4 Nr. 20 a UStG einholen?

Durch eine Gesetzesänderung im Jahre 2011 darf die Bescheinigung nur rückwirkend für 4 Jahre erteilt werden, um die Rechtsunsicherheit für den Steuerpflichtigen etwas einzudämmen. Ist in diesem Zeitpunkt die Festsetzungverjährung für die Steuer noch nicht eingetreten, so kann die rückwirkend erteilte Bescheinigung auch noch ein 5. Jahr greifen.

Konkret heißt das: Beantragt das Finanzamt am 1.8.2021 die Bescheinigung bei der zuständigen Landesbehörde, so wirkt diese Bescheinigung ab Erteilung für 4 Jahre rückwirkend, das heißt bis zum 31.7.2017. Für 2017 ist die Festsetzungsverjährungsfrist von 4 Jahren nach Abgabe der Steuererklärung definitiv noch nicht abgelaufen. Infolgedessen, können in 2021 die Steuerbescheide 2017, 2018, 2019, 2020 und 2021 geändert werden bzw. die Umsätze steuerfrei festgesetzt werden. Mehr aber auch nicht. Will das Finanzamt weiter zurückgehen, dann berufe dich bitte auf das Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF-Schreiben) vom 20.8.2012 –IV D 3 –S 7177/07/10001-02 BStBl2012 I S. 877.

Honorare ausübender Künstler sind immer ermäßigt zu besteuern, wenn nicht steuerbefreit!

Für viele Veranstaltungen ist es etwas unklar, ob es nun Konzerte oder Theateraufführungen sind oder nicht. Vor allem bei sog. Dinnershows mit Livemusik oder andere Zwitterveranstaltungen kann es fraglich sein, ob der Veranstalter den ermäßigten Umsatzsteuersatz auf die Eintrittsgelder anwenden kann. Für die Besteuerung der Honorare des Musikers, der auf derartigen „Zwitterveranstaltungen“ auftritt, ist die Beurteilung der Show an sich unerheblich. Sofern seine Leistung einem Konzert vergleichbar ist und er ein ausübender Künstler ist, kann er den ermäßigten Steuersatz auf seine Honorare anwenden (Umsatzsteueranwendungserlass (UStAE) 12.5. Abs. 3 Satz 2). 

Auch ist es für den ausübenden Künstler unerheblich, ob der Veranstalter von seinen Zuhörern eine Eintrittsberechtigung verlangt hat (öffentlich) oder nicht (privat). Die Anwendung der Steuerermäßigung für den ausübenden Künstler bleibt bestehen (LS zu UStAE 12.5.). 

Wie und wann musst du die Umsatzsteuer beim Finanzamt anmelden?

Sofern du dich entschlossen hast, keine Landesbescheinigung gem. § 4 Nr. 20a UStG zu beantragen, erzielst du umsatzsteuerpflichtige Umsätze. Dann ist umsatzsteuerlich einiges zu machen. Das Verwaltungsverfahren der Umsatzsteuer ist streng und wird von der Finanzverwaltung auch dauernd überprüft.

Ein großer Vorteil der Umsatzsteuerfreiheit!

Du wirst feststellen: Die Umsatzsteuerbefreiung hat vor allem einen entscheidenden Vorteil:

  • Sie macht das Leben sehr viel einfacher!  – 

Wenn du nur umsatzsteuerfreie Umsätze erzielst, musst du eine Umsatzsteuerjahreserklärung einreichen. Daraus wird sich zwar keine Zahlung ergeben, das Finanzamt möchte aber wissen, was du an Einnahmen im Rahmen der Kleinunternehmerregelung erzielt hast und welche steuerfreien Umsätze du vereinnahmt hast. Die Umsatzsteuerjahreserklärung muss bis zum 31.7. des Folgejahres beim Finanzamt vorliegen.

Die Umsatzsteuer ist eine Anmeldesteuer

Die Umsatzsteuer ist eine Anmeldesteuer. Du musst als Steuerpflichtiger die Umsatzsteuerschuld selbst ermitteln. Dazu errechnest du die umsatzsteuerpflichten Erlöse und die darauf entfallende Umsatzsteuer. Andererseits musst du die an andere Unternehmer gezahlte Vorsteuer aus den Belegen ermitteln.

Wer muss wann und wie oft Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben?

Der ermittelte Umsatz, die Umsatzsteuer sowie die Vorsteuerbeträge sind dann in der sogenannten Umsatzsteuervoranmeldung anzugeben. Die Differenz aus der erhaltenen Umsatzsteuer und der bezahlten Vorsteuer ist die Umsatzsteuerzahllast, welche fristgerecht an das Finanzamt bezahlt werden muss.

Als umsatzsteuerpflichtiger Musiker bist du verpflichtet, die an das Finanzamt abzuführende Umsatzsteuer in vorgeschriebenen Zeitabschnitten an das Finanzamt zu melden und  abzuführen:

  • pro Monat, wenn die zu zahlende Umsatzsteuer im Vorjahr mehr als 7.500€ betragen hat.
  • pro Quartal, wenn die zu zahlende Umsatzsteuer im Vorjahr mehr als 1.000 €, aber weniger als 7.500 € betragen hat.
  • pro Jahr, wenn die im Vorjahr zu zahlende Umsatzsteuer weniger als 1.000 € betragen hat. In diesem Fall ist nur eine Umsatzsteuerjahreserklärung abzugeben.

Die Umsatzsteuervoranmeldung muss grundsätzlich bis zum 10. Tag des auf den Voranmeldungszeitraum folgenden Monats beim Finanzamt eingehen (also die Voranmeldung Januar muss bis zum 10. Februar eingereicht werden). Die Voranmeldung ist nach amtlich vorgeschriebener Datenstruktur elektronisch beim Finanzamt einzureichen. Dazu kannst du das Elsterprogramm der Finanzbehörden nutzen. Vor erstmaliger Anwendung des Programmes bedarf es einer Registrierung. Da diese Registrierung in der Regel einige Tage dauert, empfehle ich dir, die Registrierung frühzeitig durchzuführen, damit keine Verspätung der Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung droht.

Wie funktioniert eine Dauerfristverlängerung?

Da diese gesetzliche Frist zur Erstellung der Umsatzsteuervoranmeldung relativ kurz ist, besteht die Möglichkeit, eine sog. Dauerfristverlängerung zu beantragen. Dann verlängert sich die Frist zur Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung um einen Monat (also die Voranmeldung Januar muss dann bis zum 10. März abgegeben werden). Um diese Verlängerung zu erhalten, hast du eine sog. Sondervorauszahlung zu leisten. Die Sondervorauszahlung beträgt 1/11 der gesamten Vorauszahlungen des Vorjahres. Hast du deine Tätigkeit erst im laufenden Jahr aufgenommen, so errechnet sich die Sondervorauszahlung auf der Grundlage der zu erwartenden Vorauszahlungen dieses Jahres. Die Dauerfristverlängerung wird ebenfalls durch elektronische Übermittlung eines amtlich vorgeschriebenen Datensatzes an das Finanzamt beantragt. Die Beantragung muss im Vorhinein erfolgen.

Sofern du nur quartalsweise die Voranmeldungen einreichen musst, kannst du ebenfalls eine Dauerfristverlängerung von einem Monat beantragen. Eine Sondervorauszahlung wird dann aber nicht verlangt.

Das Finanzamt ist bei der Einhaltung dieser Einreichungsfirst in der Regel sehr strikt. Bei verspäteter Abgabe wird relativ schnell ein Verspätungszuschlag festgesetzt. Dieser beträgt 10% der festgesetzten Steuer, höchstens jedoch 25.000 €.

Ich empfehle dir, das Lastschrifteinzugsverfahren anzuwenden!

Die Zahlung der so ermittelten Umsatzsteuerzahllast ist ebenfalls am 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraumes fällig. Der Steuerpflichtige muss die Steuer entweder unaufgefordert auf Basis seiner eigenen Ermittlung an das Finanzamt abführen oder eine Lastschrifteinzugsermächtigung an das Finanzamt erteilen. Die Wahl des Lastschrifteinzugsverfahrens hat den Vorteil, dass die Zahlung nicht gesondert veranlasst und überwacht werden muss. Sehr leicht kannst du im Überweisungsverfahren, die Zahlfrist überschreiten, mit der Folge der Festsetzung von Säumniszuschlägen. Der Säumniszuschlag beträgt kurz gesagt 1% der Steuerschuld je angegangenem Monat der Säumnis. Das ist relativ teuer. Um diese zu sparen empfiehlt sich die Erteilung einer Lastschrifteinzugsermächtigung.

Zahlung per Überweisung und Schonfrist

Sofern du die Zahlung selbst durch Überweisung ausführst, greift eine sog. Schonfrist von 3 Tagen (§ 240 Abs. 3 AO). Dadurch wird ermöglicht, dass die Voranmeldung am 10. des maßgeblichen Monates an das zuständige Finanzamt übermittelt und am selben Tag die Zahlung noch per Überweisung veranlasst wird. In der Regel ist die Zahlung dann 3 Tage später beim Finanzamt. Für Bar- oder Scheckzahlungen greifen diese Schonfristen nicht (§ 224 Abs. 2 Nr. 1 AO). Das macht heutzutage aber eh kaum noch jemand.

Die Umsatzsteuerjahreserklärung

Auch in den Fällen, in denen du zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen verpflichtet bist, musst du am Jahresende eine Umsatzsteuerjahreserklärung abgeben. Wenn du keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben musst, dann ist die Umsatzsteuerjahreserklärung ohnehin obligatorisch. Die Umsatzsteuerjahreserklärung ist bis zum 31.7. des Folgejahres beim Finanzamt einzureichen.

Ergibt sich aus der Umsatzsteuerjahreserklärung eine Umsatzsteuerschuld, so ist diese einen Monat nach Abgabe der Steuererklärung fällig. Da Musiker aus den oben genannten Gründen häufig keine umsatzsteuerpflichtigen Umsätze erzielen, sind sie in der Regel nicht zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen verpflichtet. Es besteht aber dennoch die Verpflichtung, eine Umsatzsteuerjahreserklärung abzugeben. In dieser sind auch die steuerfreien Umsätze anzugeben.

Wenn du umsatzsteuerpflichtig bist: Bitte unbedingt Rücklagen für die Umsatzsteuerzahlung an das Finanzamt bilden!!

Das Finanzamt ist hinsichtlich der Umsatzsteuer besonders kritisch. Hier bist du schneller als in der Einkommensteuer im Bereich der Steuerhinterziehung. Das Finanzamt erlässt die Umsatzsteuer so gut wie nie. Die Umsatzsteuer ist eigentlich eine Steuer, die du vom Kunden für das Finanzamt vereinnahmst. Du hast das Geld also kommissarisch für das Finanzamt erhalten. Wenn du diese Beträge dann nicht an das Finanzamt abführst, kennt dieses in der Regel kein Pardon.

Also, falls du umsatzsteuerpflichtig bist, aber keine monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen abzugeben hast, transferiere bitte die vereinnahmten Umsatzsteuerbeträge auf ein gesondertes Unterkonto. Lass sie dort liegen, bis die Zahlung im Rahmen der quartalsweisen Umsatzsteuervoranmeldung oder der Umsatzsteuerjahreserklärung zu leisten ist.

In welchem Land sind die Leistungen eines Musikers umsatzsteuerpflichtig?

In Kürze dargestellt:

Für musikalische Leistungen gibt es im Umsatzsteuerrecht eine Sonderregelung. Für musikalische Leistungen ist der Ort der Leistung grundsätzlich dort, wo die Leistung tatsächlich erbracht wird. Dies gilt vor allem für Konzertaufführungen und andere Leistungen, die in einem aktiven Tun bestehen. Auch für eine unterrichtende Tätigkeit ist der Ort der Leistung dort, wo der Unterricht tatsächlich stattfindet.

Welche umsatzsteuerlichen Regelungen gelten für mich?

Wenn du dich also fragst, welche umsatzsteuerlichen Regelungen gelten für mich, dann kannst du vereinfacht davon ausgehen, dass du, wenn du einen Auftritt hast, ein Konzert spielst oder einen Schüler unterrichtest, dort umsatzsteuerpflichtig bist, wo du tätig wirst. Ist das Konzert in Deutschland, dann gelten die deutschen Regeln. Entsprechende Ausführungen findest du in diesem Kurs zu den Themen: Kleinunternehmerregelung, Umsatzsteuerfreiheit oder ermäßigtem Steuersatz. Findet dein Auftritt allerdings im Ausland statt, dann gelten die Regelungen des Auslandes. So lange du im europäischen Ausland auftrittst, ist das weniger problematisch, denn das europäische Umsatzsteuerrecht ist harmonisiert. Du kannst davon ausgehen, dass im Ausland dem Grunde nach die gleichen Regeln gelten, wie in Deutschland.  

Was mache ich, wenn ich im Ausland umsatzsteuerpflichtig bin?

Dass das ein gewisses Problem ist, hat auch der Gesetzgeber erkannt. Deshalb hat er das sog. reverse charge Verfahren eingeführt. Zumindest gilt das für Europa. Sofern du deine Leistung an einen anderen umsatzsteuerlichen Unternehmer im Ausland erbringst, ist dieser ausländische Unternehmer für die Organisation deiner umsatzsteuerlichen Belange zuständig. Du schreibst deine Rechnung ohne Umsatzsteuer. Unter die Rechnung schreibst du: Der Ort der Leistung für das Konzert liegt im europäischen Ausland. Es kommt das reverse charge Verfahren zur Anwendung. Der Leistungsempfänger muss dann die Umsatzsteuer für dich abführen oder eine Befreiung für dich beantragen. Das ist dann alleine sein Problem.

Was ist, wenn ich selbst ein Konzert im Ausland veranstalte?

Das ist schwierig. Dann solltest du auf jeden Fall steuerlichen Rat bei einem sachkundigen Berater im Ausland einholen, um dir keine blutige Steuernase zu holen.